Freitag, 26. Februar 2016

Omega-3-Fettsäuren verbessern die Aufmerksamkeit - auch bei ADS / ADHS


Wissenschaft & Forschung(7)

Das ist das Ergebnis einer Studie der  Neurowissenschaftler um Prof. Bos Dienke von der Universität Utrecht (Niederlande) aus 2015. Sie konnte zeigen, dass eine tägliche Nahrungsergänzung mit den Omega-3-Fettsäuren DHA* und EPA* zu einer signifikant verbesserten Aufmerksamkeit führt[1].

Untersucht wurden 79 Jungen zwischen acht und vierzehn Jahren. 40 von ihnen mit gesicherter Diagnose ADS bzw. ADHS und laufender Medikation mit Methylphenidat (z.B. Ritalin®), 39 ohne jede Diagnose und Medikation. Beide Gruppen wurden unterteilt, wobei jeweils eine Untergruppe täglich 10 Gramm Margarine mit 650 mg DHA/EPA-Gemisch, die andere Untergruppe 10 g einer Placebo-Margarine zum Essen bekam.

Über einen Beobachtungzeitraum von 16 Wochen füllten die Eltern Fragebögen aus (zwei mal  Child-Behavior-Checklist (CBCL) und fünf mal Normal-Behavior-Scale (SWAN)). Die Lehrer erhielten ebenfalls Fragebögen (Teacher-Report-Form (TRF)). Darüber hinaus wurden noch einige Laborparameter zum Fettsäure- und Dopaminstoffwechsel aus dem Urin bestimmt und Funktions-MRT (Funktions-Kernspintomografie) des Gehirns durchgeführt.

In beiden Omega-3-Margarine-Gruppen, also sowohl bei ADS/ADHS-Kindern, als auch bei Kindern ohne Diagnose konnte eine signifikante Verbesserung der Aufmerksamkeit nachgewiesen werden im Vergleich zu den Placebo-Gruppen. Einen Einfluss auf aggressives Verhalten oder zum Regelbruch-Verhalten fand sich im Beobachtungzeitraum nicht. Eine Frage wäre, ob Aggression und Regelbruch womöglich sekundäre Phänomene sind, die einer längeren Beobachtung bedürfen würden.

Ein ursprünglich vermuteter Zusammenhang mit dem Dopaminstoffwechsel im Gehirn konnte weder an Hand der Urinuntersuchungen, noch durch Auswertung der angefertigten Funktions-MRT hergestellt werden. Der Wirkmechanismus der Omega-3-Fettsäuren bleibt daher unklar.

Und wofür Omega-3-Fettsäuren noch wichtig sind

 

Als Nahrungsquelle für DHA und EPA werden bisher meist nur fetter Meeresfisch wie Hering und Lachs genannt, was für Veganer ohnehin nicht in Frage kommt und in der Schwangerschaft wegen hoher Schwermetallgehalte im Fisch explizit nicht empfohlen wird, obgleich DHA in Schwangerschaft und Stillzeit für die Entwicklung des kindlichen Gehirns und der Augen sehr wichtig ist. Meeresfische sind aber keineswegs der Ursprung dieser Fettsäuren. Diese reichern sich  durch Aufnahme von Algen im Fett- und Muskelgewebe der Fische an. Algen sind die eigentliche Ursprungsquelle von DHA und EPA. 

Die Fettsäure DHA ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembran von Nervenzellen und die Ausgangssubstanz für für weitere wichtige Soffe im Nervenstoffwechsel wie Neuroprotectide. EPA ist an der Regulation des Immunsystem, der Blutgerinnung, des Blutdruckes, der Herzfrequenz beteiligt und gilt als Schutzfaktor vor Arteriosklerose und koronarer Herzkrankheit / Herzinfarkt. Darüber hinaus fördert EPA positive Emotionen und vermindert Ängste[2] und Depressionen[3].

Ob Nahrungsergänzungspräparate wie "Omega-3-vegan" der Firma Loges, gewonnen aus der Alge Schizochytrium sp., eine therapeutische Option bei ADS/ADHS sein könnte muss die Forschung der Zukunft zeigen. So lange kann eine Empfehlung hierzu ausdrücklich nicht ausgesprochen werden! 

Eine Nahrungsergänzung mit DHA und EPA muss grundsätzlich als sinnvoll angesehen werden, auch da nach Angabe der DGE die empfohlene Aufnahme immer noch weit unterschritten wird. Statt empfohlener 300 Milligramm werden im Durchschnitt höchtens 200 Milligramm DHA/EPA aufgenommen, und das bei gleizeitig viel zu großer Mengen an Omega-6-Fettsäuren und gesättigten Fetten, wodurch der Omega-3-Bedarf im Stoffwechsel erhöht wird.

Deshalb rate ich Veganern dazu, alpha-linolensäurereiche Öle wie Chiaöl, Leinöl und Hanföl in kleinen Mengel (1 - 2 Teelöffel täglich) und unerhitzt(!) mit der Nahrung aufzunehmen. Chiaöl enthält um 60 %, Leinöl 50-70% und Hanföl um 30 % alpha-Linolensäure. Ein Teelöffel Leinöl wiegt circa 2 Gramm und enthält somit zwischen 1000 und 1200 mg alpha-Linolensäure, welche in der Leber zumindest teilweise in DHA und EPA umgewandelt werden kann. Die biochemische Lehrmeinung besagt, dass die Kapazität dieses biochemischen Reaktionsweges nicht ausreicht, um genügend  DHA und EPA  bereitzustellen. Eine allgemeine Beobachtung in der Biochemie ist es aber auch, dass die Kapazität von Stoffwechselwegen bei Bedarf erweitert werden kann, in dem die Schlüsselenzyme dazu vermehrt synthetisiert werden. Das kann allerdings nur funktionieren, wenn genügend Substrat, in diesem Fall alpha-Linolensäure zur Verfügung steht. Und es dauert eine Weile, bis die entsprechenden Gene aktiviert sind und die Biosynthese der Schlüsselenzyme begonnen hat.

Ob täglich ein Teelöffel Chia- oder Leinöl im Essen einen positiven Effekt auf die Aufmerksamkeit bei gesunden und/oder bei Kindern mit ADS/ADHS hat, kann zur Zeit auch noch nicht beantwortet werden. Eine Nahrungsbereicherung mit Omega-3-Fettsäuren z.B. in Form von 1-2  Teelöffeln Lein-, Hanf-, Chia oder anderem Omega-3-Öl täglich ist    ernährungsphysiologisch absolut sinnvoll und epfehlenswert.  

Und bei allen Ölen bitte immer unbedingt auf hochwertige Bioqualität achten! Ein qualitativ und geschmacklich sehr gutes Produkt ist für mich "Omega-3-6-9" der Marke Rapunzel.

Wer Beobachtungen zu diesem Thema gemacht hat, möge mir bitte eine Email mit seinen Erfahrungen schreiben ahoi@vegan-auf-rezept.info

*DHA=Docosahexaensäure. EPA=Eicosapentaensäure

Quellen:

[1]Dienke J Bos et al.:Reduced Symptoms of Inattention after Dietary Omega-3 Fatty Acid Supplementation in Boys with and without Attention Deficit/Hyperactivity Disorder.Neuropsychopharmacology. 2015 Sep; 40(10): 2298–2306. 

[2]Song C., Zhao S. Omega-3 fatty acid eicosapentaenoic acid. A new treatment for psychiatric and neurodegenerative diseases: a review of clinical investigations. University of Prince Edward Island, Department of Biomedical Sciences, AVC, 550 University Avenue, Charlottetown, PE, Canada. cai.song@nrc.gc.ca (Expert Opin Investig Drugs. 2007 Oct;16(10):1627–1638)

[3] Julian G. Martens: EPA but not DHA appears to be responsible for the efficacy of omega-3 long chain polyunsaturated fatty acid supplementation in depression: evidence from a meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of the American College of Nutrition 28 (2009) S. 525-542.


Foto: pixabay.com 

Kommentare:

  1. Dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen! Ich kaufe meine Omega 3 Pillen bei Vitaminexpress (http://www.vitaminexpress.org/de/omega-3-fettsaeuren), da ich Vegan bin und ich nicht irgendwelche Pillen zu mir nehmen will. Ich habe seit der Kindheit Probleme mit ADHD und Ärzte versuchen seit Jahren mir Sachen, wie Xanax unterzujubeln. Ich versuche nun seit gewisser Zeit keine solchen Arzneimittel mehr zu mir zu nehmen, sondern führe nur eine gut ausgewogene, vegane Diät und nehme Omega 3 zu mir. Und ich fühle mich wirklich konzentrierter!

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  2. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich habe eine Frage zum Thema Omega 3 und 6 Fettsäuren.
    Ich habe mal gehört das der Körper in der Lage ist Omega 6 Fettsäuren aus Nüssen in Omega 3 Fettsäuren umzuwandeln. Nur wenn man Obst dazu isst, soll diese Umwandlung aufgrund der Fruktose nicht funktionieren. Ich glaube jedenfalls das es so war. Können Sie mr dazu etwas sagen? Wissen Sie da mehr als ich?

    LG und vielen Dank für Ihre Zeit
    Mareike

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  3. Meinem biochemischen Wissen nach ist es in der menschlichen Zelle nicht möglich die Position der Doppelbindungen in Fettsäuren zu verändern. Das heißt auch eine Omega-6-Fettsäure kann nur in eine andere Omega-6-Fettsäure umgewandelt werden, nicht in eine Omega-3-FS. Die meisten Omega-6-Fettsäuren, auch die essentielle Linolsäure, werden zu Arachidonsäure umgewandelt, aus welcher entzündungsfördernde Prostaglandine entstehen. Die essentiellen Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA können aus der Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure in der Leber gebildet werden oder mit veganem Algenöl von außen zugeführt werden.

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