Dienstag, 8. März 2016

Alzheimer-Demenz ist Folge des Lifestyle ! "Sieben Goldene Regeln" zur Vorbeugung


Gesundheit & Krankheit(5)

Laut letztem Bericht der Deutschen Alzheimer Gesellschaft nehmen Demenzerkrankungen mit so rasanter Geschwindigkeit zu, dass Vermutungen aufkamen, es könnte sich doch um eine Infektionskrankheit handeln. Allein in Deutschland rechnet man mit über 100 Erstdiagnosen pro Tag, das sind rund 40.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, so der Bericht, sind im Jahr 2050 etwa drei Millionen Deutsche dement[1]. Aktuellen Studien zu Folge könnte die Zahl bereits heute schon um dreißig Prozent niedriger liegen, wenn ein vorbeugender Lebensstil mehr Verbreitung fände.
Zwar hat im letzten Jahr eine Studie Hinweise darauf erbracht, dass die für Alzheimerdemenz verantwortliche Substanz Amyloid beta zum Beispiel durch Medikamente menschlichen Ursprungs, Bluttransfusionen oder Organtransplantationen übetragbar sein könnte[2], doch gibt es für eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch keinen Hinweis. 

Der Neurologe Professor Jörg Schulz vom Uniklinikum Aachen mutmaßt, dass frühestens in dreißig Jahren mit wirksamen Medikamenten zu rechnen sei. 

Einen nachweislichen Nutzen bei leichteren Formen der Demenz bringt bisher nur die Einnahme eines standardisierten Ginkgo-Spezialextraktes EGb 761® der Firma Schwabe aus den Blättern von Ginkgo biloba, welche nur unter ärztlicher oder heilpraktischer Überwachung erfolgen sollte[6]. Ein ähnlich positiver Effekt konnte für einen Extrakt aus der Pflanze Bacopa monnieri (Brahmikraut) nachgewiesen werden[5].  Bisher war dieser Effekt nur als empirisches Wissen aus der ayurvedischen Medizin kommuniziert worden. Die Firma Loges hat kürzlich das meines Wissens erste in Deutschland zugelassene Arzneimittel mit Brahmikraut auf den Markt gebracht. Auch hier rate ich von Selbstmedikation strengstens ab.

Aber sind Medikamente die eigentliche Lösung des Problems? Immer mehr Studien legen mit recht eindeutigen Ergebnissen nahe, dass Demenz nur zu einem sehr geringen Teil genetischen Einflüssen unterliegt, sondern in erster Linie eine Folge des Lebensstils ist. 

2010 machte ein Forscherteam um die Psychologin Maria C. Norton von der Utah State University in einer großangelegten Studie mit über 65jährigen Paaren (Durchschnitt Frauen 73,1. Männer 75,7. Beobachtungszeitraum 3-12 Jahre) interessante Beobachtungen[3].
Man konnte zeigen, dass das Risiko an Demenz zu erkranken, wenn bereits der Partner erkrankt war, um das Sechsfache erhöht war. Als Ursache vermutete man Stress, den die Krankheit des Partners bei dem Nichterkrankten auslöst. Etwas, das ältere (Ehe-)Paare aber sicher meistens gemeinsam haben, ist der Lebensstil.

Es gibt sogar Studien, die vermuten lassen, dass   "Lifestyle"-Faktoren des Jugendalters und des jungen Erwachsenenalters bereits die spätere Entwicklung einer Demenz bahnen können. 
Als vorbeugende Faktoren können intensive geistige Betätigung wie Ausbildung, Fortbildung, Weiterbildung, Studium genannt werden, womit eine sogenannte "kognitive Reserve" aufbaut wird. Ebenso regelmäßige moderate sportliche Betätigung, insbesondere Freiluftsport
Ungünstige Faktoren sind nach der bisher größten Alzheimer-Metastudie aus 2014 Bewegungsmangel, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Depression und niedriges Bildungsniveau[7].

Ein Forscherteam um den renomierten Psychiater, Gesundheitsforscher und Ernährungswissenschaftler Professor Neal Barnard von der George Washington University, Washington, D.C fasst die Ergebnisse einer 2014 veröffentlichten Metaanalyse von prospektiven Studien zur Alzheimerentstehung[4] in den

 "Sieben Goldenen Regeln" zur Vorbeugung von Alzheimer-Demenz zusammen:
1. Minimieren  Sie die Aufnahme von gesättigten Fetten und Transfetten. Gesättigte Fette finden sich vor allem in Milchprodukten, Fleischwaren, und bestimmten Ölen (Kokos und Palm)*. Transfette finden sich in Snacks, Gebäcken, Gebratenem/ Frittiertem, und achten Sie bei den Inhalstsstoffen auf  "teilweise hydrogenisierte Öle/Fette".
  
2. Gemüse, Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen und Linsen), Früchte und Vollkornprodukte sollen mit oberster Priorität Fleisch und Milchprodukte ersetzen.

3. Vitamin E sollte aus der Nahrung bezogen werden und nicht aus Nahrungsergänzungen. Gesunde Vitamin E-Quellen sind Nüsse, Saaten, grüne Blattgemüse und Vollkornprodukte. Die empfohlene tägliche Aufnahme sind 15 mg Vitamin E pro Tag. 

4. Eine zuverlässige Vitamin B12-Quelle wie angereicherte Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungen sollten zur täglichen Nahrung gehören, um die empfohlene Tagesdosis von 2,4 µg bei Erwachsenen zu erreichen**. Lassen Sie ihre Vitamin B12-Spiegel überprüfen***. Viele Faktoren einschließlich Alter können die Vitamin B12-Aufnahme verringern.
 
5. Wenn Sie Multivitaminpräparate einnehmen, wählen Sie solche ohne Eisen und Kupfer. Nehmen Sie nur dann Eisenpräparate, wenn Ihr Arzt Sie Ihnen verordnet. 

6. Obwohl die Bedeutung von Aluminium in der Alzheimerentstehung noch großen Forschungsbedarf hat, sollten Sie den Kontakt mit Aluminium minimieren durch die Vermeidung von Küchenutensilien und Kochtöpfen aus Aluminium, Säureblockern (für den Magen), Backpulver und anderen Produkten, die Aluminium enthalten (Deo!).****

7. Bauen sie aerobe Übungen in ihren Alltag ein, z.B. drei mal wöchentlich 40 Minuten forciertes Gehen oder etwas gleichwertiges.*****

Meine Ergänzung zu den sieben Goldenen Regeln:

Ernähre dich vegan und vollwertig!

Fördere deine aerobe Ausdauer und deine koordinativen Fähigkeiten durch Sport, Tanz oder rhythmische Gymnastik!

Fördere deine geistigen und kognitiven Fähigkeiten durch Nutzung von Bildungsangeboten, Lesen, sozialen Kontakten und geistigem Austausch in Spiel, Sport und Gespräch.

Erlerne ein Entspannungs- oder Meditationsverfahren, z.B. Yoga, Tai Chi, Chi Gong.

Und was nach Professor Barnard einer Demenz vorbeugen kann, taugt aller Wahrscheinlichkeit nach auch dazu, das Fortschreiten einer Demenz zu verlangsamen oder sogar aufzuhalten. Hierzu gibt es, so weit ich weiß, aber noch keine Studien. 

Professor Barnard gehört übrigens zu den Referenten des diesjährigen VegMed-Kongresses in Berlin. Ich postete kürzlich zum Kongress:
http://vegan-auf-rezept.blogspot.de/2016/02/3-deutscher-medizinkongress-zu.html

Zu guter Letzt noch meine
Anmerkungen:
*Die gesundheitliche Bedeutung von Kokosfett wird noch kontrovers diskutiert. 
    Zunehmend tendiert man dazu, es als gesundheitsförderlich einzustufen auf Grund   
     seiner besonderen Fettsäurezusammensetzung (~50 % Laurinsäure).
**Die Wirksamkeit von Vitamin B12-Zahngel ist wissenschaftlich belegt.
***Der aussagekräftige Laborwert heißt "Holo-Trancobalamin".
****Deo-Spays und -roller enthalten in vielen Fällen noch Aluminium. 
*****Besonders effektiv ist sehr moderates Ausdauertraining, wenn es täglich ausgeübt wird.

Das könnte dich auch interessieren:

Der ultimative Gesundheits-Check für Veganer

Vegane Ernährung offiziell in Deutschland anerkannt und empfohlen

Vegane Ernährung offiziell anerkannt (II) - Die Hintergründe - Veganer mit vielen Nährstoffen besser versorgt

Quellen: 
[1]www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/infoblatt1_haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf

[2]Zane Jaunmuktane et al.:Evidence for human transmission of amyloid-β pathology and cerebral amyloid angiopathy.Nature 525,247–250,

Increased Risk of Dementia When Spouse Has Dementia?:J Am Geriatr Soc. 2010 May; 58(5): 895–900. 

[4]DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.neurobiolaging.2014.03.033

[5] Sebastian Aguiar et al.:Neuropharmacological Review of the Nootropic Herb Bacopa monnieri.
Rejuvenation Res. 2013 Aug; 16(4): 313–326. doi:  10.1089/rej.2013.1431

[6]Amieva H, Meillon C, Helmer C, Barberger-Gateau P, Dartigues JF (2013) Ginkgo Biloba Extract and Long-Term Cognitive Decline: A 20-Year Follow-Up Population-Based Study. PLoS ONE 8(1): e52755. doi:10.1371/journal.pone.0052755 

[7]Sam Norton et al.: Potential for primary prevention of Alzheimer's disease: an analysis of population-based data. The Lancet Neurology,Volume 13, No. 8, p788–794, August 2014

Foto: pixabay.com

Kommentare:

  1. Es scheint ja generell wichtig zu sein viele Vitamine zu sich zu nehmen. C, B12, D, das sind alles wichtige Nahrungsergänzungsmittel. Ich habe erst letztes eine Großbestellung in diesem Shop gemacht und alles was das Alphabet hergibt bestellt. Ich denke es ist auch wichtig anzumerken, dass nur Ernährung und Ergänzungsmittel KEIN gesunder Lifestyle sind. Es ist unabdingbar auch Sport zu treiben. Viele Leute lassen es darauf beruhen, dass sie sich vegan ernähren und viele Vitamine zu sich nehmen. Das ist halt leider NICHT genug!

    AntwortenLöschen
  2. Neben der Ernährung sind Bewegung aber auch Entspannung von großer Bedeutung für die Gesundheit. Auf dem VegMed-Kongress bestand allerdings Konsens darüber, dass Nährstoffergänzungen nur bei nachgewiesenem Mangel erfolgen sollten. Nur für Vitamin B12 gilt unbedingtes Substitutionsgebot. Insbesondere vor eisenhaltigen Präparaten ist zu warnen, weil eine Eisenüberladung u.a. das Krebsrisiko erhöht.

    AntwortenLöschen