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Matteo Farinella: Arcimboldo Brain |
Ernährungswissen(14)
Heute
starte ich die Artikelserie "Vegan denken lernen", die die
Besonderheiten einer rein pflanzlichen Ernährung buchstäblich
"begreifbar" machen soll. Weg von "empfohlener Tagesdosis" und
Ernährungspyramiden, hin zu "neuen Grundnahrungsmitteln" und einer
Vorstellung davon, in welchen Größenordnungen diese in unserer Ernährung
vorkommen sollten. Teil 1 startet hier mit Vitamin A.
Die schlechte Nachricht zu erst: Vitamin A (Retinol) kommt in Pflanzen nicht vor. Die gute Nachricht: Aus den verschiedenen Carotinen, die in Pflanzen vorkommen, wird u.a. in den Zellen der Dünndarmschleimhaut Retinol hergestellt. Dennoch hat statistisch jeder fünfte Europäer Vitamin A-Mangel. In Ländern mit Unterernährung stellt Vitamin A-Mangel eines der größten Probleme dar.
Retinol
ist die Ausgangssubstanz für diverse "Vitamin A-Verbindungen", die an
verschiedenen Orten unseres Organismus benötigt und gebildet werden. Von
besonderer Bedeutung ist Retinol für die Netzhaut unseres Auges. Das
früheste Symptom eines Vitamin A-Mangels ist daher meistens ein
verschlechtertes Dämmerungs- und Nachtsehens bis hin zur
Nachtblindheit.
Ebenso
ist Vitamin A sehr wichtig für die Spermienbildung und damit für die
Fruchtbarkeit des Mannes, für unser Nerven- und Immunsystem, für unsere
Haut und Schleimhäute sowie für die Blutbildung und die Proteinsynthese.
Besonders
erwähnt werden muss die Bedeutung von Vitamin A in Schwangerschaft,
Stillzeit und Kindheit. Es hat eine große Bedeutung für das Wachstum und
die Knochenentwicklung.
Der
tatsächliche Tagesbedarf eines Nährstoffes kann nicht exakt bestimmt
werden. Durch empirisch gewonnene Daten ist lediglich eine grobe
Abschätzung möglich. Dieser wird ein dickes Sicherheitsplus hinzu
addiert und als empfohlene tägliche Aufnahme kommuniziert.
Diese
tägliche Aufnahmeempfehlung liegt bei Vitamin A für Erwachsenen bei
1,0 mg/Tag, in der Schwangerschaft bei 1,1 mg/Tag und in der Stillzeit
bei 1,5 mg/Tag.
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Das Möhrengrün mit verarbeiten oder für den grünen Smoothie verwenden |
Nur
aus Beta-Carotin kann im Verhältnis 2 zu 1 Retinol gebildet werden. Für
andere Carotine ist das Verhältnis ungünstiger. Daher liegt liegt die
Empfehlung zur Aufnahme von Carotinen bei dem vier- bis sechsfachen der
genannten Zahlen, ist aber problemlos im Alltag zu realisieren.
In
speziellen Zellen der menschlichen Leber wird Retinol dann auch
gespeichert und so sichern volle Leberspeicher eine ausreichende
Versorgung für mehrere Monate im Voraus. Die kindliche Leber besitzt nur
eine sehr geringe Speicherkapazität für Retininol. Eine regelmäßige
Zufuhr ist hier besonders wichtig. Für eine möglichst regelmäßige Zufuhr
an Carotinen spricht noch eine andere Tatsache: Carotine und
Carotinoide sind auch sehr wirkungsvolle Antioxidantien. Sie reduzieren
"oxidativen Stress" in unseren Zellen und wirken damit Krebs,
entzündlichen und degenerativen Krankheiten sowie Alterungsprozessen
entgegen.
Aus Carotinen entsteht nicht nur Vitamin A - sie sind auch wichtige Antioxidatien
Ideale Grundnahrungsmittel zur Carotin-Versorgung sind:
Süßkartoffel (Batate), Aprikose (besonders getrocknet), alle Küchenkräuter frisch oder getrocknet (Petersilie,Dill, Kerbel, Basilikum etc.), Blattgemüse (besonders Grünkohl, Spinat, Löwenzahn und Mangold), Möhre, alle Blattsalate (besonders Feldsalat), Honig- und Kantalupemelone, Paprika und Chili (besonders als Gewürzpulver und Konzentrat). Einen sehr hohen Carotingehalt hat auch Palmfett,
jedoch wird durch starkes erhitzen dieser wieder reduziert. Auch wenn
das Palmöl aus nachhaltigem Anbau stammt, bleiben immer noch lange
Transportwege bis zu uns.
Nicht so hoch wie oft gemeint ist dagegen der Carotingehalt von Tomaten und Kürbis.
Carotine können auch grün sein!
Zur effektiven Aufname von Carotinen aus der Nahrung muss ein wenig Fett in der Mahlzeit sein, da die Carotine fettlöslich sind und nicht wasserlöslich.
Carotine sind empfindlich gegen Hitze, Licht und Sauerstoff. Es können Verluste auftreten von bis zu 30 %. Die ideale Zubereitungsform heißt also roh, ungeschält und frisch.
Der
Carotingehalt von Süßkartoffeln und Aprikosen ist so hoch, dass sie
auch gegart bzw. getrocknet noch überaus reich daran sind. Auch
getrocknete Kräuter und Gewürze sind noch reich an Carotinen.
1 mittlere Möhre (50 g) deckt den Tagesbedarf, ebenso 1 Scheibe Honigmelone (100 g) oder 1 Portion Grünkohl (100 g).
2 getrocknete Aprikosen sind mehr als der Tagesbedarf.
1 kleine Süßkartoffel (100 g) deckt den Tagesbedarf fast doppelt.
Alles
was den Tagesbedarf übersteigt geht in die Speicher für "schlechte
Zeiten". Volle Speicher reichen wie schon erwähnt für mehrere Monate.
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Die abgebildeten Mengen decken den Bedarf x-fach. In Schwangerschaft und Stillzeit bitte das Doppelte! |
Und jeden Tag eine Hand voll Grünzeug
als Salat oder Smoothie
Meine Rezept-Tipps:
Green Smoothie
Alle
Blattgemüse und Salate sind der ideale Grundstoff für grüne Smoothies. 1
Hand voll pro Portion. Um mehr Volumen zu bekommen gebe ich pro
Portion eine 1/4 Salatgurke dazu. Um den Geschmack etwas lieblich
abzurunden kommen 1 bis 2 über Nacht eingewichte Aprikosen (mit
Einweichwasser!) hinzu. Gerne auch 1/2 süßlicher Apfel oder ein Stück
frische Ananas. Nicht vergessen: 1 winziger Schuss Öl, am besten Hanföl.
Mit 250 ml Wasser auffüllen und gründlich mixen (geht auch ohne
Hochleistungsmixer!). Nach belieben noch Wasser hinzufügen, wenn es
flüssiger sein soll. Möglichst nicht lange (auch nicht im Kühlschrank)
herumstehen lassen, sondern frisch genießen.Im Sommer auch sehr lecker auf Eis. Manchmal bilden sich schon nach kurzem Stehen Phasen im Glas, dann einfach immer mal wieder unrühren.
Pizzaboden aus Süßkartoffeln
(Backofen auf 100 Grad vorheizen)
300 g Süßkartoffel mit Schale sehr fein (musig) geraspelt
50 g frisch gemahlener schwarzer oder gelber Sesam (ungeschält!)
75 g Kichererbsenmehl
20 g Kokosfett oder Palmfett (nur aus zuverlässiger Bio-Quelle!)
3-5 sehr fein gehackte oder durchgepresste Knoblauchzehen
1-2 Esslöffel Majoran oder Oregano
1-2 Teelöffel Meersalz nach Geschmack.
Alle
Zutaten gut miteinader zu einem Teig kneten, ggf. noch etwas Öl dazu
geben und diesen dann in gewünschter Dicke auf einem Backblech
ausstreichen (dünner wird knuspriger!). Bei 120 Grad Umluft den Teig 45
bis 60 Minuten "trocknen" bis die gewünschte Festigkeit erreicht ist.
Dann hauchdünn mit Öl bepinseln (verhindert dass der Teig durch den
Belag matschig wird) und nach Belieben belegen. Mit veganem Pizzaschmelz
bestreuen oder besser noch mit veganer Käsesoße (s.u.) beträufeln.
Dann den Belag weitere 10 Minuten im Ofen erhitzen, in Stücke schneiden
und genießen.
Vegane Käsesoße für Pizzen, Gemüse und Salate
2
Esslöffel Cashew-Mus mit 1 Tasse Wasser im Topf so lange erhitzen und
mit dem Schneebesen glatt rühren bis eine cremige Masse entsteht.
Gegebenenfalls Cashew-Mus oder Wasser zugeben, um die passende
Konsistenz zu erzielen. Je nach Geschmack 3-5 Esslöffel frisch gemahlene
Hefeflocken zugeben und mit Salz und weißem Pfeffer abschmecken. Nach
Belieben einen Spritzer Zitronensaft, weißen Balsamicoessig oder einen
Schuss Weißwein dazugeben. Wer seine Pizza besonders käsig mag stellt
die doppelte Menge her. Auch lecker kalt auf Brot.
Tipp: Zum
frischen Mahlen von Nüssen, Saaten und Hefeflocken eignet sich am
besten eine Espressomühle vom alten Typ mit einem Schlagmesser statt mit
einem Mahlwerk und einem Taster als Schalter. Man bekommt sie für unter 20,- €.
Und nicht vergessen:
Die Mahlzeit sollte ein wenig Fett enthalten.
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